Wichtige Audio Codec im Vergleich: Hat MP3 ausgedient?

Seit mehr als zwanzig Jahren nutzen wir MP3 für unsere Musiksammlungen und andere Dinge. Doch das beliebte Format ist inzwischen nicht mehr der Platzhirsch von früher. Andere Formate können mehr – und das oft besser. Wir haben uns vor allem die Lossless Audiocodecs einmal genauer angesehen.

Profis wollen keinen Qualitätsverlust

Viele Normalnutzer sind überrascht, wenn sie erfahren, dass absolute Profis bei der Soundbearbeitung in der Musikproduktion gar keine Kodierungsverfahren zur Kompression einsetzen. Native Qualität, also Musik ohne jeden Qualitätsverlust, spielt bei der professionellen Bearbeitung eine größere Rolle als der Speicherplatzbedarf. Deswegen findet man Dateien von Musikproduktionen in der Regel im unverfälschten WAV-Format. Das macht für Profis natürlich auch Sinn, denn für die Bearbeitung sollten die Originaldateien immer ohne Verluste zur Verfügung stehen. Erst für den Endverbraucher werden die Musikstücke in Formaten wie MP3 zum Download bereitgestellt.

Für den Normaluser ist eine solch extreme Qualitätstreue in der Regel nicht notwendig. Sie war früher auch kaum praktikabel, denn heimische Laptops und PCs waren sehr schnell mit Audiodateien überfrachtet, wenn sie nicht komprimiert wurden. Seit mehr als zwanzig Jahren ist das bequeme und qualitativ ausreichende mp3-Format die erste Wahl für die meisten User. Die Vorteile liegen auf der Hand: Es ist einfach zu nutzen, wird von so gut wie allen Endgeräten bzw. Playern unterstützt und ist in Form des LAME-Codecs sogar kostenlos nutzbar.

Die akustische Qualität ist bei entsprechender Bitrate-Einstellung für das menschliche Ohr kaum noch vom Original zu unterscheiden, während der Speicherplatzbedarf im Vergleich zu WAV sehr viel geringer ist. Für die Übertragung von Musik im Internet war das zu Zeiten, in denen wir maximal mit ISDN online gehen konnten, eine echte Revolution.

Infografik: Beliebteste Musik- und Audio-Apps im Google-Play-Store weltweit. (Nach Downloads, August 2018)

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Ist MP3 als Audio Codec noch zeitgemäß?

Heute sind die Datenraten im Netz (auch im mobilen Bereich) sehr viel höher, wir könnten also durchaus auch hochwertige Musikformate mit besserer Qualität als MP3 nutzen. Immerhin streamen wir ja auch Videos, die einen sehr viel höheren Datendurchsatz erfordern. Bei Videos, die zum Beispiel als MPEG erzeugt werden, sind die Audiodaten ebenfalls komprimiert (sieht man von Medien wie Bluray ab).

Lange Zeit galt (insbesondere aus Kompatibilitätsgründen) für Endnutzer zur Videobearbeitung MP3 als perfekte Lösung für die Soundspur. Einen entscheidenden Nachteil hat das Dateiformat jedoch: Im Gegensatz zu moderneren Codecs kann MP3 nur einfaches Stereo verarbeiten. Eine Multikanal-Nutzung, etwa zur Implementierung von Surroundklang oder mehreren Sprachen ist mit diesem Codec nicht möglich. Grund genug, sich einmal anzusehen, welche anderen Audiocodecs zur Wahl stehen.

Lossless versus verlustbehaftete Komprimierung

Um die Dateigröße zu reduzieren, gibt es zwei gängige Methoden. Zum einen die Reduktion der Daten, wie sie bei MP3 erfolgt. Dadurch lassen sich die Dateien sehr viel stärker in ihrer Größe einschrumpfen, doch der Qualitätsverlust muss hingenommen werden.

Anders sieht es bei den sogenannten verlustfreien (lossless) Codecs aus. Auch sie komprimieren Daten, reduzieren aber nicht die darin enthaltenen Informationen. In der Folge haben auch sie eine rund 40 Prozent geringere Dateigröße als etwa WAV, behalten aber deren Ausgangsqualität bei. Allerdings ist der Speicherplatzbedarf um einiges höher als bei verlustbehafteten Verfahren.

Typische Vertreter der Audio Codecs für Lossless-Formate sind:

  • FLAC
  • ALAC
  • WMA Lossless

ALAC ist das von Apple verwendete verlustfreie Dateiformat, die Abkürzung steht für Apple Lossless Audio Codec. Alternativ steht als kostenlos nutzbare Freeware das FLAC (Free Lossless Audio Codec) zur Verfügung. Für Windowsnutzer sind beide Formate allerdings in der Regel nicht die erste Wahl, denn sie haben vor allem auf Apple-Geräten Relevanz.

Microsoft hat jedoch mit WMA Lossless ebenfalls eine Alternative geschaffen, die zwischen dem herkömmlichen (verlustbehafteten) WMA Codec und dem unkomprimierten WAV eine Brücke schlägt. Zudem gibt es weitere kostenlose Audiocodecs im Lossless-Bereich, etwa Monkey’s Audio Codec APE, Shorten oder WavPack. Sie bieten technisch allerdings keinerlei Vorteile gegenüber dem wesentlich weiter verbreiteten FLAC und werden daher schon aus Gründen der Kompatibilität von den meisten Usern eher nicht verwendet.

Obwohl viele Smartphones heutzutage schon standardmäßig mit 64 Gigabyte Speicher ausgeliefert werden (der sich zudem eventuell über SD-Karten erweitern lässt) und Festplatten im Terabytebereich längst keine Ausnahme mehr sind, möchten die meisten User ein Audio Codec zur Komprimierung der Daten einsetzen. (#01)

Obwohl viele Smartphones heutzutage schon standardmäßig mit 64 Gigabyte Speicher ausgeliefert werden (der sich zudem eventuell über SD-Karten erweitern lässt) und Festplatten im Terabytebereich längst keine Ausnahme mehr sind, möchten die meisten User ein Audio Codec zur Komprimierung der Daten einsetzen. (#01)

Für Puristen: HiRes Dateiformate

Nun gibt es neben den normalen Usern, die ihre Musik am Smartphone über das Headset oder die heimische Stereoanlage hören, eine Fraktion von Nutzern, die als Puristen nur das Beste wollen. Es sind die Menschen, die sich Plattenspieler mit goldenen Tonarmen und einer Technik kaufen, deren Vorteile nur wirklich geschulte Ohren überhaupt wahrnehmen. Und das gilt selbstverständlich nicht nur für die analogen Vinylplatten, sondern auch für digitale Musik. Diesen Usern reicht der übliche CD-Standard nicht mehr aus. Diese auch als Redbook-Standard bekannte Norm legt fest, dass die Daten auf einer CD mit 16 Bit und mit einer Frequenz von 44100 Hz kodiert sind.

Dieses Kodierungsverfahren reicht diesen Spezialisten nicht aus. Für sie gibt es HiRes-Dateien, die mit 24 Bit und Frequenzen jenseits von 96000 Hz arbeiten. Sinn macht das aber nur, wenn man auch eine Audio Anlage besitzt, mit denen diese Unterschiede hörbar werden. FLAC ist zum Beispiel ein geeignetes Codec für HiRes-Audio. Im Profibereich finden hierfür außerdem die Formate DSD und DXD Anwendung, die wesentlich höhere Abtastraten unterstützen. Das ist aber nur dann sinnvoll, wenn die Musik von Beginn an in der Produktion mit solchen Codecs erzeugt wurden. Eine nennenswerte Verbreitung werden diese Formate kaum finden.

Wozu überhaupt noch ein Audio Codec zur Komprimierung?

Wenn man ohnehin ein verlustfreies Audio Codec verwendet, fragen sich viele User, ob sie überhaupt noch ein Verfahren wie FLAC benötigen. Man könnte die Daten angesichts der großen Festplatten von heute auch gleich als WAV speichern. Das ist richtig, doch selbst FLAC reduziert die Dateigröße immerhin um mehr als ein Drittel, was sich bei größeren Musiksammlungen dann schon bemerkbar macht. Außerdem haben WAV-Dateien einen weiteren Nachteil, den gängige Audio Codecs nicht haben: Sie lassen sich nicht taggen. Wer einen Titel in seiner umfangreichen Musiksammlung finden will, hat es mit FLAC oder einem ähnlichen Lossless-Format deutlich leichter.

Fazit: Lossless wird attraktiver, aber MP3 ist noch nicht tot

Obwohl viele Smartphones heutzutage schon standardmäßig mit 64 Gigabyte Speicher ausgeliefert werden (der sich zudem eventuell über SD-Karten erweitern lässt) und Festplatten im Terabytebereich längst keine Ausnahme mehr sind, möchten die meisten User ein Audio Codec zur Komprimierung der Daten einsetzen. Ob man dabei auf das verlustbehaftete, aber bewährte MP3 oder eines der Lossless-Codecs setzt, ist vor allem eine Geschmacksfrage. Je nach Kompatibilitätsbedarf lassen sich gute Alternativen in beiden Bereichen finden. Für Anwendungen im Videobereich werden Multikanalformate wie AAC immer wichtiger, da dieses Audio Codec Surroundsound und mehrere Tonspuren sowie weitere Extras unterstützt, die bei MP3 nicht verfügbar sind.

Speziell für Videobearbeitung und die Bereitstellung von Daten im Internet ist ein verlustbehaftetes Audio Codec heute noch von Bedeutung, da die hohen Datenübertragungsraten insbesondere im mobilen Bereich nicht immer und überall zur Verfügung stehen. Außerdem kann es zur Kostenfrage werden: Schlanke Daten werden nicht nur schneller geladen, sie belasten ein eventuelles Datenvolumen ebenfalls weniger. Für die heimische Musiksammlung ist ein Audio Codec wie FLAC allerdings inzwischen durchaus eine sinnvolle Alternative, denn es gibt eigentlich keinen plausiblen Grund mehr, Qualitätsverluste bei Audiocodecs hinzunehmen.


Infografik: © Schwarzer.de
Bildnachweis: © Shutterstock-Titelbild: PrinceOfLove -#01: rukawajung

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