Tik Tok: Gefahren für das Marketing

Man liest täglich über Tik Tok. Gefahren und Risiken werden jedoch nie genannt. Nie? Doch, jetzt schon. In diesen Tagen hat endlich jemand das böse G-Wort in den Mund genommen. Es war kein Geringerer als Steve Huffman, CEO und Mit-Gründer von Reddit. Danke Steve!

Wo lauern in Tik Tok Gefahren?

Bleiben wir noch eine Augenblick bei Steve Huffman. Als „grundlegend parasitär“ titulierte er die ach so beliebte App und Plattform Tik Tok. Die Gelegenheit zu der Steve mit seinen harschen Worten offen aussprach, was mir schon seit langem Unmut und Grummen im Bauch bereitet macht deutlich, was hier auf dem Plan steht. Es geschah auf einer eintägigen Konferenz mit dem Titel „Social 2030“. Investoren und Unternehmer hatte sich dort auf dem von Lightspeed Venture Partners und Slow Ventures veranstalteten Event eingefunden, um zu erörtern, welche Trends und Hypes in den nächsten zehn Jahren das Geschehen dominieren werden.

In einer Podiumsdiskussion mit Elliot Schrage und Sam Lessin über die funktionalen Innovationen von Tik Tok platzte Steve der Kragen. Während man vordergründig darüber sprach, was StartUps im Silicon Valley von Tik Tok lernen könnten, stellte Steve klar, dass Tik Tok kein Vorbild sein dürfe, sondern eher ein abschreckendes Beispiel.

Tik Tok sammelt Daten über seine Nutzer. Das tun viele Apps, doch Tik Tok geht einen – nein mehrere – Schritte weiter. Steve sagte explizit, dass Tik Tok ständig zuhört und Daten sammelt, dass Tik Tok eine Fingerabdruck-Technologie verwendet. Für Steve Huffman ist dabei klar, dass er diese App unter keinen Umständen auf seinem Smartphone installieren würde. Die Tiefe des Datensammelns lässt ihn Tik Tok als “parasitär” und als “Spyware” bezeichnen.

Welche Bedeutung hat die Einschätzung für Marketeers?

An Brand Safety wird immer dann appelliert, wenn Old School Medien sich gegen innovative Digital Medien abgrenzen und erosionsartige Reichweitenverluste rechtfertigen möchten. In diesem Fall möchte ich Brand Safety aber ins Feld führen und vor der Einbeziehung von Tik Tok in den Channel-Mix im eigenen Marketing warnen. Bei Tik Tok lauern mehrere Gefahren.

Gefahr #1: DSGVO und Machtpoker

Tik Tok ist aktuell nicht uninteressant, erzeugt die App doch ein starkes Engagement bei ihren Nutzern und legte bei Nutzerzuwachs einen Katapultstart hin. Im Jahr 2019 nutzten 5,5 Millionen Nutzer die App in Deutschland mindestens einmal im Monat, mit im Schnitt 50 Minuten Tik Tok pro Tag. Deutschland liegt damit vor Großbritannien (5,4 Millionen) und Frankreich (4,4 Millionen). Zum Vergleich: Facebook verzeichnet 32 Millionen aktive Nutzer in Deutschland und Instagram 15 Millionen. Keine andere App kratzte so schnell an der Nutzermilliarde.

Gelangt die App ins Kreuzfeuer der Presse, leidet ihr Ruf. Dann bleibt es fraglich, ob es eine gute Idee ist, auf diesem Channel präsent zu sein. Mißkreditierung darf man auch aus USA erwarten. Die Auswirkungen des Machtgerangels zwischen den USA und China hatte bereits Huawei erleben dürfen. Als rasant aufstrebende App könnten die USA die Position der uramerikanischen Plattformen Facebook und Instagram gefährdet sehen. Somit könnte Tik Tok hier auch in den Interessenskonflikt hineingezogen werden.

Gefahr #2: Investitionssicherheit und Strohfeuer

Bei dem Neugierverhalten, welches die App an den Tag legt, ist abzusehen, dass sich über kurz oder lang die deutschen Datenschützer mit der App befassen werden. Wenn das dazu führt, dass die App eingeschränkt wird, kann die Begeisterung der Nutzer ebenfalls schnell stark nachlassen. Somit stellt sich die Frage, ob eine Investition in den Channel wirklich langfristig und nachhaltig ist.

Was sagt Tik-Tok-Owner Byte Dance zu den Gefahren?

Dazu war aktuell noch nichts zu erfahren. Allerdings hat Tech Crunch bereits angefragt und um eine Stellungnahme gebeten.

Ihr Hans-Jürgen Schwarzer

+49 (0)6131 / 36 80 51
hjs@schwarzer.de


Quellen:
Der Artikel auf TechCrunch.

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