Audio Codec Pack aus dem Internet: Vorsicht!

Irgendeine Mediendatei lässt sich auf dem Rechner nicht abspielen? Kein Problem, es gibt ja für jedes Format ein eigenes Video oder Audio Codec. Am besten im Pack installiert und schon funktioniert alles. Aber Vorsicht! Das kann auch nach hinten losgehen.

Das richtige Codec finden: Aber wie?

Gerade am PC begegnen einem häufig Videos, die sich nicht abspielen lassen. Grund dafür sind mehr oder weniger exotische Audio- und Videocodecs, die auf dem Rechner nicht installiert sind. Obwohl Windows heutzutage relativ umfangreiche Sammlungen an Codeclösungen ab Werk installiert, kann das eine oder andere Format nicht abgespielt werden. Das gilt sowohl für Video als auch für Audio. Wenn es nur darum geht, Xvid oder Divx herunterzuladen, liegt die Lösung immer nur einen Klick weit entfernt. Einfach in Google den Begriff eingeben und schon gibt es zahllose Quellen, von denen man das gewünschte Codec beziehen kann.

Eine Alternative zum Download einzelner Video- und Audiocodecs sind die sogenannten Codecpacks. Dabei handelt es sich um Pakete, mit denen man die wichtigsten Video- und Audio Dateiformate öffnen (und ggf. encoden) können soll. So einfach ist das Problem also gelöst. Aber ganz so einfach ist es eben leider doch nicht, denn es gibt einige Fallstricke, die das System ernsthaft schädigen können. Oft ist ein Codec nur wenige Kbyte groß, aber die Auswirkungen eines unfertigen Open Source Encoders auf das Betriebssystem können erheblich sein.

Infografik: Marktanteile von Audioformaten für Online Video Streaming 2016 und 2017 welltweit.

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Open Source ist oft auch Open End

Bei den meisten Video und Audio Codec Packs handelt es sich nicht um kommerzielle Software, sondern um Open-Source-Projekte. Es gibt auch kommerzielle Ausnahmen, doch wer heutzutage Dateien komprimiert, greift in der Regel auf eines der gängigen Open-Source-Formate zurück. Der große Vorteil liegt darin, dass ein solches Codec in der Regel kostenlos ist und von der gesamten Community weiterentwickelt wird. Der daraus erwachsende Nachteil ist zwar offensichtlich, wird aber häufig übersehen: Denn ein Open Source Codec ist immer als „unfertig“ zu betrachten. Zudem ist es oft schwierig, die genaue Version und damit den Entwicklungsstand vor dem Installieren des Codec Pack zu ermitteln.

Warum ist das so wichtig? Unsauber oder nicht sorgfältig programmierte Elemente können dazu führen, dass bereits im System vorhandene (gut funktionierende) Komponenten überschrieben und ersetzt werden. Versionskonflikte, doppelte Installationen oder Probleme mit der Kompatibilität sind häufige Folgen – im schlimmsten Fall kann man sich ein sauberes Betriebssystem damit komplett zerschießen. Nicht umsonst warnen selbst die Herausgeber vieler Paketlösungen davor, alle enthaltenen Audio und Videocodecs zu installieren.

Augen auf beim Download!

Eine weitere Gefahr liegt in unbekannten Quellen. Obwohl die eigentlichen Codec Pack Lösungen oft identisch aussehen, muss man darauf achten, aus welcher Quelle man sich bedient. Eigentlich kostenlose Audio Codecs können plötzlich Geld kosten oder in eine der berühmten Abofallen führen, nur weil man sie von einer dubiosen Webseite heruntergeladen hat. Am besten installiert man Software nur von seriösen Bezugsquellen. Viele Computerzeitschriften haben Downloadportale, auf denen sie entsprechend virengeprüfte Versionen zum aktuellen Download bereithalten.

Hier kann man nur wenig falsch machen, da die seriösen Portale sich keine virenverseuchten Programme leisten können. Allerdings kommt es immer wieder vor, dass man sich durch das Herunterladen zusätzliche Dinge installiert, die man gar nicht haben wollte. Sehr beliebt sind Browser-Suchleisten oder Tools, die eigentlich keiner braucht und die das System mit Adware oder ähnlichem verseuchen können. Das ist im besten Falle nervig, im schlimmsten Falle findet so die eine oder andere Malware den Weg auf den Rechner.

Es gibt Alternativen

Wenn es um den Download auf dem Handy und Tablet geht, ist man in erster Linie auf Software aus dem offiziellen Play Store bzw. Apple Store angewiesen. Aber wir wissen natürlich alle, dass man auch aus Drittquellen Programme installieren kann. Download-Stores wie Uptodown oder Portale wie Softonic bieten eine Vielzahl an Varianten und Alternativen. Wer sich hier bedient, hat eine große Auswahl, muss sich aber dessen bewusst sein, dass man auch dort manchmal mehr bekommt als man eigentlich haben wollte.

 

Für die gängigen Probleme mit Video und Audio sind solche Quellen gar nicht notwendig, weswegen die offiziellen Stores für derartige systemrelevante Downloads vorzuziehen sind. Was den PC angeht, gibt es zudem eine Lösung, mit der man die aufwändige Installation samt Eingriff in die Registry umgehen kann. Ausgefeilte Mediaplayer wie der VLC sind für fast alle Betriebssysteme erhältlich und bieten eine eigene Codec-Bibliothek.

Sie müssen also nicht auf vorinstallierte Codecs zugreifen, sondern bringen für jedes gängige Audio und Video-Segment eine eigene Codeclösung mit. Da diese direkt in das Programm implementiert sind, handelt man sich keinen Ärger mit der System-Registry ein und kann trotzdem fast jedes Medienformat problemlos abspielen.

Bei den meisten Video und Audio Codec Packs handelt es sich nicht um kommerzielle Software, sondern um Open-Source-Projekte. (#01)

Bei den meisten Video und Audio Codec Packs handelt es sich nicht um kommerzielle Software, sondern um Open-Source-Projekte. (#01)

Das K-Lite Pack bietet viel Sicherheit beim Installieren

Wenn es doch ein Pack sein muss, dann sollte man zu den bewährten Lösungen greifen, die als weitgehend problemlos gelten. Hier sind vor allem das sehr bekannte X Codec Pack sowie K Lite zu nennen, die es bei den bekannten Quellen zum Download gibt. Früher war das X Codec Pack noch als XP Codec-Pack bekannt, was aber durch das Fortschreiten der Windows-Entwicklung irgendwann obsolet wurde. Im Gegensatz zu anderen Lösungen gilt dieses Paket trotz seiner sehr hohen Verbreitung als weniger ausgereift. So gleicht es nicht die bestehenden Codec-Bibliotheken des Systems ab, weswegen es passieren kann, dass man versehentlich doppelte Installationen vornimmt oder sauber funktionierende Segmente durch die neuen Komponenten beeinträchtigt.

Was die Auswahl an Mediencodecs angeht, ist das X-Pack nicht so umfangreich gestaltet. Die meisten Profis empfehlen daher, lieber zu K-Lite zu greifen. Es ist das vermutlich bekannteste Codecpaket auf dem Markt. Vier Versionen von Basic über Standard und Full bis hin zu Mega bieten eine sinnvolle Abstufung für den Bedarf der unterschiedlichen Nutzergruppen. So kann sowohl der Einsteiger als auch der Profi die für ihn passende Variante herunterladen. Tatsächlich bekommt man mit K-Lite Basic lediglich einige wenige Audio Filter sowie die Komponenten für DivX und Xvid. Für die meisten User ist daher die Standardversion zu empfehlen.

Wer nicht nur Videos und Musik konsumieren, sondern auch produzieren will, komprimiert mit dem enthaltenen Filter ffdshow einige gängige Formate. Für die umfangreiche Nutzung des Encoders sind Full und Mega die richtige Wahl, denn sie enthalten so gut wie alle wichtigen Codecdateien, die es lizenzfrei auf dem Markt gibt. Sehr positiv ist das intelligente Installationsverhalten, denn die Nummern der Versionen lassen sich schon vor dem Download ermitteln. Zudem wird K-Lite oft mit Updates versehen und hat einen guten Installer, der davor warnt, wenn bereits andere Pakete auf dem Rechner installiert sind.

Die wichtigsten Tipps im Überblick:

  • Muss es immer ein Komplettpaket sein?
  • Kein Download aus unsicheren Quellen!
  • Bei Installation auf bereits vorhandene Komponenten achten
  • Wenn möglich, nur die wirklich benötigten Codecs installieren
  • Alternativen wie VLC Media Player erlauben Abspielen ohne separate Codec-Installation
  • Laien sollten nicht an Codecs herumspielen
  • Nach Möglichkeit Versionsnummern vor dem Download bzw. Installieren prüfen
  • auf Kompatibilität zum Betriebssystem (32 oder 64 Bit) achten

Fazit: Ein Codec Pack kann Sinn machen, wenn man weiß, was man tut

Ein Video oder Audio Codec Pack erscheint vielen Nutzern als einfachste und schnellste Lösung. Doch die Gefahr von Systemkonflikten durch unsaubere und redundante Installationen ist sehr groß. Der Download aus dubiosen Quellen kann ebenfalls Probleme einhandeln, denn Viren und andere Malware sowie Abofallen und Adware drohen bei vielen Anbietern. Hat man eine sichere Quelle gefunden, sollte man dennoch Vorsicht walten lassen, denn falsch installierte Mediencodecs haben schon so manches sauber laufende Betriebssystem beeinträchtigt.

Wenn es ein Komplettpaket sein muss, raten wir auf jeden Fall zu K-Lite, das mit seinen vorbildlichen Installationsoptionen punkten kann. Ganz wichtig ist, dass man als Nicht-Experte niemals an den „Innereien“ von Codecdateien herumspielen sollte, denn das kann gravierende Folgen für das Betriebssystem nach sich ziehen. Übrigens gibt es oftmals verschiedene Versionen für 32-Bit- und 64-Bit-Betriebssysteme. Es versteht sich von selbst, dass man nur zu der passenden Variante greifen sollte.


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Bildnachweis: © Shutterstock-Titelbild: SG SHOT  -#01: garagestock

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